Bezirkegruene.at
Navigation:
am 25. September

Wir wollen einen autofreien Stadtplatz …

Kurt Prack - weil es schöner ist, weil es leiser ist, weil wir uns auf dem Platz wirklich wohler fühlen können.

Stadtplatz Steyr

Kurt Prack hielt im Gemeinderat am 20. September 2018 eine Rede zur Verkehrsberuhigung am Stadtplatz und zur Verkehrs- und Klimapolitik in Steyr.  

            
Ich möchte unseren Antrag zum Anlass nehmen, erst kurz über den Stadtplatz zu reden und dann ganz allgemein auf die Verkehrs- und Klimapolitik – wenn man die so nenne kann – in Steyr einzugehen.

Wie Sie dem Antrag entnehmen, sind wir der festen Überzeugung, dass die derzeitigen und die geplanten Maßnahmen am Stadtplatz bezüglich Verkehr unzureichend sind. Über die baulichen Veränderungen herrscht Einigkeit. Was den Verkehr anbelangt, sind wir Grüne aber der festen Überzeugung, dass das, was die Politik hier abliefert, weder zeitgemäß ist noch den Wünschen der Mehrheit der Steyrer Bürger und Bürgerinnen entspricht. Ein derartiges, einzigartiges Ambiente sollte nicht vom Verkehr durchschnitten werden. Wir wollen die Autos bis auf die bekannten Ausnahmen draußen haben. Wir wollen, dass die Menschen sich auf dem historischen Platz frei und ungefährdet bewegen und aufhalten können. Wir wollen, dass kleinen Kindern nicht zugerufen werden muss: „Achtung! Auto!“ Wir wollen das, weil das schöner ist, wir wollen das, weil es leiser ist, wir wollen das, weil es umweltfreundlich ist, wir wollen das, weil wir uns auf diesem Platz wirklich wohl fühlen können.

Keine Parkplatzsuche mehr am Stadtplatz


Die Minimalvariante wäre, dass wenigstens der Parkplatzsuchverkehr auf den Ennskai nicht mehr über den Stadtplatz rollt. Das ist von den anderen Fraktionen nicht einmal im sogenannten Probebetrieb angedacht. Ich fürchte, Sie werden unseren Antrag auch heute wieder ablehnen. Ich habe das Gefühl, dass es bei derartigen Abstimmungen mit dem freien Mandat nicht immer sehr weit her ist und ich weiß, dass zumindest was eine Sperre der Kaigasse angeht, die Meinungen in manchen Fraktionen weiter auseinandergehen, als sich das – so fürchte ich – in der bevorstehenden Abstimmung zeigen wird. Fraktionstreue ist nicht angebracht. Stimmen Sie nach Ihrem eigenen Empfinden, das sind Sie Ihrem freien Mandat und Ihren WählerInnen schuldig. Ich würde mir auch wünschen, dass wir über Themen wie dieses geheim abstimmen.

Stecken in der Verkehrspolitik der 70er Jahre


Der Stadtplatz und der auf ihm rollende Verkehr ist ein Sinnbild der Verkehrspolitik in Steyr. Jede und Jeder im Raum weiß, dass der Verkehr einer der Hauptverursacher für die Treibhausgase und somit für den Klimawandel ist. Wir stecken in unserer Stadt in einer Verkehrspolitik der 70er Jahr des vergangenen Jahrhunderts und selbst damals haben Menschen mit Sinn für Ästhetik den ungebremsten Ausbau der Straßen kritisiert. Heute sind die Voraussetzungen andere und wir müssen handeln.

Es ist nicht wahr, dass die Bekämpfung des Klimawandels nur im Großen angegangen werden kann. Ja, freilich dort ganz dringend auch. Aber ohne einen wesentlichen Beitrag der Kommunen kann es nicht gehen. Wir müssen dort handeln, wo wir die Möglichkeit dazu haben. In unserem Fall ist das unsere Stadt und das Umland. Wir können uns nicht länger auf die sogenannten großen Verschmutzer ausreden, mit dem Finger auf sie zeigen und uns selbst völlig aus der Pflicht stehlen. Wir sind es unseren Kindern und Enkelkindern schuldig, schleunigst zu handeln. Von selber regelt sich die Sache nicht. Abwarten, was die Automobilindustrie zuwege bringt, reicht nicht. Die Zeit drängt ganz ungemein. Ob die sogenannten Kipppunkte – wer nicht weiß, was das ist, sollte nicht hier herinnen sitzen – schon erreicht sind, wissen wir nicht. Wir müssen aber heute und nicht morgen handeln, damit wir die Chance haben, das Schlimmste abzuwenden.

Ja, es ist angebracht Angst zu haben. Wir steuern auf eine Klimakatastrophe zu, vielleicht sind wir schon mitten drinnen.

Alle Klimaexperten wissen es, der Papst hat es niedergeschrieben. Liebe Freunde aus der christlichen Fraktion: die SPÖ hat den Klimaschutz erst vor kurzem ganz prominent ins Parteiprogramm aufgenommen, auch die Blauen haben Kinder – also handeln Sie danach. Wie soll es zur angestrebten CO2 Reduktion kommen, wenn Sie immer noch mit automotiver Stadt argumentieren?

Die Ärmsten der Armen, das richtet sich in erster Linie an die Sozialdemokratie, werden am meisten unter den Folgen des Klimawandels leiden. Auch die Partei des kleinen Mannes sollte das bedenken. Liebe KollegInnen von der ÖVP – Gott hat uns beauftragt, die Erde zu gestalten, nicht sie unbewohnbar zu machen.

Wir müssen die Verkehrspolitik neu gestalten


Nochmals: wir sind Lokalpolitiker und müssen unsere Verantwortung auch in diesem Rahmen wahrnehmen. Also setzen Sie jetzt ein kleines Zeichen des guten Willens und stimmen Sie dem Antrag für eine Sperre der Kaigasse zu. Dann müssen wir gemeinsam so schnell wie möglich eine gesunde und schöne Stadt gestalten,  die Verkehrspolitik hier in Steyr neu gestalten, damit unsere Stadt ihren Beitrag zur Reduktion der Klimagase leistet.  Die Nachwelt wird es uns danken oder aber uns verfluchen. Unser Beitrag kann nicht in der Wärmesanierung einiger Gebäude liegen. Der Wechsel von Glühlampen auf LED wird auch nicht genügen. Wir müssen den Ausstoß von Treibhausgasen jetzt und massiv reduzieren. Die oben genannten Maßnahmen sind gut aber sie sind wie ein Heftpflaster auf eine klaffende Wunde.

Zum Abschluss möchte ich UNO Generalsekretät Guterres nach einem Bericht von Konstanze Pandy zitieren:

„Der Klimawandel ist das wichtigste Thema unserer Zeit.“

Und jetzt ist der Moment der Entscheidung, um diese existentielle Bedrohung abzuwenden - "is moving faster, than we are…"- der Klimawandel bewege sich viel schneller als die Politik. Die Klimaziele, die 2015 im Pariser Abkommen beschlossen wurden, seien viel zu gering gewesen; man habe sich nur auf ein Drittel der benötigten Maßnahmen einigen könne. "The commitments made so far by Parties tot he Paris Agreement represent just one third of what is needed." Es seien noch große Anstrengungen nötig, sagt Guterres, aber man wisse ja genau, was zu tun sei. Es sei nur eine Frage des politischen Willens, und der fehle fast überall. "Every day we fail to act, is a day……." Jeden Tag, in dem wir nichts tun (Original so!), bewegen wir uns auf ein Schicksal zu, das niemand will, auf unumkehrbare Schäden für die Menschheit und das Leben auf der Erde. Unsere Zukunft liegt in unserer eigenen Hand. Die Welt verlässt sich darauf, dass wir handeln, bevor es zu spät ist.  …."to rise tot he challenge, before it is too late."​

Jetzt spenden!